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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Katharina Thalbach inszenierte in Köln

Mahagonny-Premiere: Titanic in der Wüste

Von EDGAR FRANZMANN

Katharina Thalbach inszenierte „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill in der Kölner Oper. Die Premiere verdiente sich wohlwollenden Beifall.

Das Stück entstand vor über 80 Jahren, und bekam in diesen Tagen durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan eine besondere Aktualität. „Mahagonny“ ist eine „Paradiesstadt“ in der Wüste, die von einem Hurrikan bedroht wird. Nach der Naturkatastrophe ist alles erlaubt: Fressen, Huren, Kämpfen und Saufen. Es gibt nur eine Todsünde: Kein Geld zu haben.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Katharina Thalbach hat das Brechtsche Lehrstück vergleichsweise traditionell inszeniert. Die Bösen sind auch durch ihre Kostüme (Angelika Rieck) gleich als Böse zu erkennen, und „gute“ Menschen sind ohnehin sehr rar. Die Bühne wird von zwei Leinwänden flankiert, auf denen Videos den Bezug zur Wirklichkeit herstellen, von den Kolonnen glücksuchender Arbeiter mit ihren Köfferchen bis hin zur Naturkatastrophe in Japan. Brecht hätte das vermutlich gefallen.

Das Bühnenbild zeigt im ersten Teil eine Wüstenlandschaft, in der ein Schiff gestrandet ist, eine Wüste, die einst ein Meer war. Momme Röhrbein ließ sich inspirieren von der Zerstörung des Aralsees in Zentralasien, eine der größten durch den Menschen verursachten Zerstörungen.

Im zweiten Teil, nach dem Hurrikan, nimmt das havarierte Schiff die komplette Bühne ein, den Bug in den Sand gesteckt, eine auseinandergebrochene Titanic, die mangels Wasser nicht einmal mehr untergehen kann. Auf den Decks tobt das, was die Bewohner von Mahagonny für Leben halten.

Fressen, Huren, Kämpfen und Saufen, bis der Bestatter kommt. Wer Geld hat, darf mitspielen, wer keins hat, wird zum Tode verurteilt. Wie Jim Mahoney (Matthias Klink), der sieben Jahre lang in Alaska Bäume gefällt hat und sein Geld in Mahagonny verliert, in den Armen der schönen Jenny (Regina Richter) und bei den „Dienstleistungen“ der geldgierigen Mahagonny-Gründer Leokadja Begbick (Dalia Schaechter), dem unglaublich dicken Fatty (Martin Koch) und dem dürren Dreieinigkeitsmoses (Dennis Wilgenhof).

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Die Oper wurde konstruiert um fünf Songs, der bekannteste ist „Oh moon of Alabama“, später perfektionierten Brecht und Weill diese Methode für weitere Werke wie zum Beispiel die „Dreigroschenoper“, die am Sonntag im Kölner Schauspiel Premiere hat.

Die Brecht/Weillschen Gesänge kennt man überwiegend in der speziellen Lotte-Lenya-Weise, in der Kölner Oper dagegen sind professionelle Sängerinnen und Sänger im Einsatz, was der Musik neue Klangfarben gibt.

Lothar Koenigs dirigiert das bestens aufspielende Gürzenich-Orchester, Andrew Ollivant leitet den überzeugenden Chor.

Das Premierenpublikum, darunter Köln-Heimkehrer Alfred Biolek, spendete allen Beteiligten sehr freundlichen Beifall, auch wenn mancher sich die Aufführung etwas frecher und etwas weniger plakativ gewünscht hätte.

Die Premiere von Bertolt Brechts (Musik: Kurt Weill) „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ gab es in einer Inszenierung der Oper Köln am 23. März im Opernhaus

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

mit:
Dalia Schaechter (Leokadja Begbick)
Martin Koch (Fatty, der »Prokurist«)
Dennis Wilgenhof (Dreieinigkeitsmoses)
Regina Richter (Jenny)
Matthias Klink (Jim Mahoney/ Johann Ackermann)
John Heuzenroeder (Jack O´Brien/ Jakob Schmidt)
Miljenko Turk (Bill)
Wolf Matthias Friedrich (Joe)
Alexander Fedin (Tobby Higgins)
Aikaterini Koufochristou, Carla Hussong, Mine Yücel, Delphine Guévar, Ruth Volpert, Caterina Maier (6 Mädchen)
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester

Musikalische Leitung: Lothar Koenigs
Inszenierung: Katharina Thalbach
Bühne: Momme Röhrbein
Kostüme: Angelika Rieck
Dramaturgie: Wenka von Mikulicz
Licht: Nicol Hungsberg
Chorleitung: Andrew Ollivant
Choreografie: Danny Costello

(Per Klick auf die in diesem Beitrag angezeigten Fotos gelangen Sie in einen Fotoblog zur Oper Köln und können per Klick auf die jeweilige Ansicht 35 Szenenfotos von den letzten Kostümproben am 19. März 2011 einsehen.)

Der Text für diesen Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Besprechung von Edgar Franzmann auf koeln.de entnommen: Mahagonny-Premiere: Titanic in der Wüste

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