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Seegang ins Ungewisse

„Seegang ins Ungewisse“ ist ein Theaterprojekt, das die Fluchtbewegung vom afrikanischen Kontinent übers Wasser nach Europa fokussiert. Verknüpft wird die Thematik mit Bezügen zu Flüchtlingen aus verschiedenen Zeiten. Beispielsweise am Anfang – der Prolog: Die Strasse der Toten & Vertriebenen, auf der die
ZuschauerInnen bekannten und namenlosen Flüchtlingen der Menschheitsgeschichte begegnen.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Darüber hinaus wird mit Versatzstücken aus Textfragmenten verschiedener Epochen gearbeitet, z.B. mit Europa, der Gestalt der griechischen Mythologie oder Medea von Anouilh. Flucht im Kontext von Zeit und politischem Wandel.

In einer interaktiven Performance, in der das Publikum sich zusammen mit den SpielerInnen auf die Reise begibt, entsteht am Kalscheurer Weiher ein Begegnungsraum, in dem die Grenzen Europas im doppelten Sinne ins Wanken geraten, ebenso wie das Verhältnis zwischen Gesetz, (Menschen-)Rechten und Gerechtigkeit.

„Seegang ins Ungewisse“ spielt auf, am und im Kalscheurer Weiher:

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Hier hat niemand mehr sicheren Boden unter den Füßen – weder auf räumlicher noch auf inhaltlicher Ebene. Der Wasserraum als theatraler Wahrnehmungs-, Vorstellungs- und Handlungsraum erfordert einen gänzlich anderen Umgang damit als ein Bühnenraum: Boote, die bespielt werden, eine untergehende Insel, Szenen über die Ufer hinweg …

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

… das Spiel am, im und auf dem Wasser sowie in der Interaktion mit dem Publikum …

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

… fordert die SpielerInnen zu hoher physischer und psychischer Präsenz. Wechselnde Wetterverhältnisse während der Proben und insgesamt 6 Aufführungstermine verstärken dies noch. Flucht als unsichere Bewegung und voller Unwägbarkeiten wird von SpielerInnen wie Publikum mit allen Sinnen erfahren.

Zeitgleich zur Theaterperformance ist der Park bevölkert von AusflüglerInnen, die sich – angelockt durch das Theatergeschehen – unter die speziell zur Aufführung gekommenen Menschen mischen: „Touristen“ und „Flüchtlinge“ treffen aufeinander. Dadurch wird das Wasser zum Begegnungsort, zu einem Medium der Grenzüberschreitung und schließlich zu einem Ort der Hybridität.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Der Kalscheurer Weiher als Spielort spricht zudem auch ein Publikum an, das sonst weder durch Theater noch durch Aktivitäten von Flüchtlingsorganisationen erreicht wird.

Am Projekt nehmen junge Erwachsene aus ganz Köln teil, die seit September 2009 1x wöchentlich im Kölner Flüchtlingszentrum in Nippes sowie direkt vor Ort am Kalscheurer Weiher probten; bis auf wenige Ausnahmen sind sie zwischen 16 und 30 Jahre alt. Sie gehen zur Schule, studieren, machen Zivildienst, arbeiten oder nehmen an Bildungsmaßnahmen teil. Einige haben konkrete biografische Bezüge zum Thema.

Die Premiere gab es am 19. Juni 2010, am Kalscheurer Weiher. Weitere Spieltermine: 20. + 30. Juni, 4., 8 + 9. Juli jeweils 19:00 Uhr.

Seegang ins Ungewisse – eine theatrale Reise
Ein einjähriges Theaterprojekt von in:takt e.V. in Kooperation mit: PRO ASYL, Kölner Flüchtlingsrat, amnesty international, kein mensch ist illegal und Freihandelszone – ensemblenetzwerk köln

Konzept & Regie: Charlott Dahmen und Karin Frommhagen
Dramaturgie/Text: Rosi Ulrich (theater-51grad.com)
Assistenz: Tania Bezzenberger

mit: Adrian Kohlert, Aleksej Urev, Christoph Bechel, Claus Reichel, Daniel Heyen, Dennis Mallo, Dragan Sakotic, Fatima Ahmed, Güler Kilagöz, Hanna Kunas, Hiwa Nouri, Janis Post, Katrin Platzner, Lilia Arustamova, Mary Njoki Sarwse, Meike Mayer, Nina Drolsbach, Ricky van Wickern, Roland Werning, Sabine Schnitzler, Sabine Tobie und Selam Keleta

Kostüme: Karla Leisen, Regine Heider und Lilia Arustamova
Bühnenbild: Silke Lilienthal
Projekttitel und Hörspiel: Ralph Lennartz
Licht: Karla Leisen
Installationen: Ruth Spätling

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