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Glückliche Tage / Happy Days

Der ideale Titel, das ideale Stück zu einer Zeit, die nicht wirklich eine glückliche ist. Dieses Stück – obwohl bereits vor knapp 50 Jahren erschienen – erscheint wie heute geschrieben. Ein Klassiker eben. Und das zu Recht. „Es wird wieder ein glücklicher Tag gewesen sein“ sagt die Protagonistin. Futur 2, weil es Futur 1 nicht mehr gibt? Die Notlüge, um die Angst in den Griff zu kriegen, die Angst morgens vor dem Aufstehen, die Angst vor der Zukunft. Haben wir die Zukunft eigentlich vor uns oder hinter uns? Angst, Druck, Depression grassieren.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Gehen individuelle Freiheit, individuelles Glück in der Krise verloren? Die Namen der beiden Hauptfiguren, Will und Win – Wollen und Gewinnen – sprechen sie für ein siegreiches Unternehmen oder vom Scheitern? „Yes we can“ – auch schon wieder passé.

Ein Kammerspiel zwischen zwei Personen, gespickt mit trivialen bis obszönen Bemerkungen, wie jeder sie mehr oder weniger aus eigenen Beziehungen kennt. Und doch reflektiert ein so einfacher Satz wie „es gibt so wenig, was man tun, was man sagen kann“ auch ein Stück gesellschaftlicher Realität. Ist beispielsweise das Spiel mit den Geschlechtsteilen obszöner als die Hilflosigkeit angesichts der Klimaerwärmung und Erdzerstörung? Fragen durchaus im Sinne Becketts.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Die Premiere gab es am 5. Januar 2010 in der Studiobühne Köln.

Glückliche Tage / Happy Days
von Samuel Beckett
eine Koproduktion mit pain productions
mit: Ingeborg von Boor und Till Brinkmann
Regie: Hiltrud Kissel

(Per Klick auf die in diesem Beitrag angezeigten Fotos gelangen Sie in einen Fotoblog zur Studiobühne und können per Klick auf die jeweilige Ansicht 18 Szenenfotos einsehen.)

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