weimer.suelz-koeln.de

Opiumschlummer und Champagnerrausch

„Ich werde von allen Glückseligkeiten naschen, ohne sie zu genießen. Mein Leben ist eine fatale Kette von Spannung und Ermattung, Opiumschlummer und Champagnerrausch“, gestand Schiller resignierend. Und so mutete er seinem Körper Tabak, Alkohol, Schnüffeldrogen und Opiate zu, um wenigstens für Augenblicke in einen beglückenden Rausch zu geraten.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

Selbst Dichtung wurde für ihn zur Droge, zum Rausch. Warf er doch seinen ganzen Körper ins Schreiben, was für ihn zugleich immer auch härteste Arbeit, unendliche Mühe war.

„Ich kann mich nicht mit mir selbst versöhnen“, stellte Schiller schmerzhaft fest. Unglück des Körpers, Unglück des Gemüts? Armer Schiller und doch reich an einem Werk, das überraschender ist, als viele vermuten, die vielleicht nur seine Balladen oder einige seiner Dramen mit den ach so hehren Figuren kennen. Ein Werk, das verdeckt ist auch durch seine Rezeption in den beiden Jahrhunderten seit Schillers Tod, missbraucht oft im Schulunterricht, missbraucht als nationales Fanal, missbraucht gar vom Nationalsozialismus.

© Verein Kölner Kulturbildarchiv (VKKBA) / Foto: Wolfgang Weimer

30 Jahre hat die ’lyrische Stimme Deutschlands’, der ’poetische Staubwedel’, wie Lutz Görner von FAZ und Spiegel genannt wird, gebraucht, um das Medium Schillers zu werden, um mit ihm innerlich eine Einheit zu bilden. Nach zwei Schiller-CDs, die Lutz Görner für andere Rezitatoren produzierte, nach fünf Schiller-Sendungen in seiner 200-teiligen Fernsehserie ’Lyrik für alle’ seit 16 Jahren bei 3sat jeden Sonntagmorgen immer 9 Uhr fünf, ist nun nach dreijähriger Vorbereitung ein Bühnenprogramm entstanden, das vom gequälten Karlsschüler handelt, der bis zum 21. Lebensjahr in dieser ’Sklavenplantage’ kaserniert war, dann vom armen und wilden Schiller, der von ’Opiumschlummer und Champagnerrausch’ lebte bis zu seiner Heirat mit dreißig und schließlich vom kranken Schiller bis zu seinem frühen Tod, als er mit 45 Jahren wohlhabend starb.

Drei Vorstellungen gab es vom 3. bis 5. Dezember 2009 im Brunosaal.

Opiumschlummer und Champagnerrausch
Görner spricht Schiller

Leben. Monologe. Gedichte. Briefe.
Gitarre: Stefan Sell

(Per Klick auf das in diesem Beitrag angezeigte Foto gelangen Sie in einen Fotoblog zum Brunosaal und können per Klick auf die jeweilige Ansicht 14 Szenenfotos des Auftritts einsehen.)

Kommentarfunktion ist deaktiviert